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(6 posts)
  • Vor 2 Jahre von isoldefrepoli gestartet
  • Letzte Antwort von bj-fischer

  1. Ich bin Bildhauerin und suche für meinen nächsten Katalog ein Proust Zitat, daß in folgendem Zusammenhang steht: der Protagonist begegnet auf der Straße einer Gruppe schöner, junger Mädchen, die Ihm wie ein Kunstwerk erscheinen. Er sprich glaube ich von Musen und Bildhauern.
    Ich weiß, dass diese Angaben sehr Wage sind aber vielleicht kann mir jemand bei der Suche helfen. ( ich glaube im letzten Drittel der Recherche)

    vor 2 Jahre veröffentlicht #
  2. bj-fischer
    Mitglied

    Um diese Freundinnen zusammenzuführen, hatte vielleicht nicht nur des Lebens zufällige Fügung sie alle so schön ausgewählt; vielleicht hatten sich diese Mädchen (deren Auftreten genügte, um ein unerschrockenes, oberflächliches und eigensinniges Wesen sichtbar werden zu lassen), als übermäßig empfindlich gegen alles Lächerliche und alles Häßliche, als unfähig, sich der Anziehungskraft einer intellektuellen oder moralischen Ordnung zu unterwerfen, zwangsläufig unter ihren Gleichaltrigen zusammengefunden, einen Widerwillen gegen alle verspürt, bei denen sich eine nachdenkliche oder empfindsame Veranlagung in Schüchternheit, Schamhaftigkeit, Ungelenkheit verriet, gegen das, was sie eine ›miese Sorte‹ nennen dürften und sich vom Leib gehalten hatten; während sie sich dagegen anderen angeschlossen hatten, zu denen sie eine gewisse Mischung aus Anmut, Gewandtheit und körperlicher Eleganz hinzog, der einzigen Form, unter der sie sich einen freimütigen, verlockenden Charakter und das Versprechen schöner gemeinsamer Stunden vorstellen konnten. Vielleicht auch befand sich die Schicht, der sie zugehörten und die ich nicht genauer bestimmen konnte, an jenem Punkt ihrer Entwicklung, an dem, dank zunehmenden Wohlstandes und größerer Muße, oder dank des neuen Brauchs, Sport zu treiben, der sich sogar bis in gewisse niedrigere Milieus ausgebreitet hatte, und einer Kultur des Körpers, zu der noch nicht die der Intelligenz hinzugetreten ist, ein den fruchtbaren Schulen einer harmonischen Bildhauerkunst, die noch nicht nach bizarren Ausdrucksformen sucht, ähnliches soziales Milieu in natürlicher Weise schöne Körper mit schönen Beinen, schönen Lenden, gesunden und entspannten Gesichtern, mit regsamer und verschmitzter Miene, in Fülle hervorbringt. Und waren dies nicht die edlen, stillen Modelle der menschlichen Schönheit, was ich dort vor dem Hintergrund des Meeres sah wie Statuen unter der gleißenden Sonne griechischer Gestade?
    (Bd. 2 Teil 2)

    vor 2 Jahre veröffentlicht #
  3. Lieber Herr Fischer,
    haben Sie vielen Dank für die schnelle Antwort, leider ist dies aber nicht die von mir gesuchte Stelle. Proust begegnet diesen Mädchen auf der Straße (Straßenecke),vor einem Lokal(?), ganz plötzlich in der Maße,und er sagt sie stehen da...wie Mußen....Dabei beschreibt er die plötzlichkeit und unberechenbarkeit dieser Begegnung.
    Haben Sie einstweilen nochmals vielen Dank, vielleicht fällt Ihnen noch was dazu ein.
    Schöne Grüße
    Isolde Frepoli

    vor 2 Jahre veröffentlicht #
  4. bj-fischer
    Mitglied

    Wie wär's denn dann mit dieser Spazierfahrt durch den Bois ziemlich in der Mitte von Bd. 5:
    "Wenn mich mein Leben mit Albertine schon daran hinderte, nach Venedig zu fahren, zu reisen, so hätte ich jetzt doch zumindest, wäre ich allein gewesen, die jungen, im Sonnenlicht dieses schönen Sonntags verstreuten Midinetten kennenlernen können, deren Schönheit für mich zum großen Teil in dem unbekannten Leben lag, das sie beseelte. Sind nicht die Augen, die man sieht, von einem Blick durchdrungen, der Bilder, Erinnerungen, Erwartungen, Abschätzigkeiten enthält, die man nicht kennt und von denen man sie nicht trennen kann? [1730] Wird nicht die Existenz des Wesens, das vorübergeht, dem Runzeln dieser Augenbrauen, dem Blähen dieser Nasenflügel einen verschiedenen Stellenwert geben, je nachdem, wie sie beschaffen ist? Die Anwesenheit Albertines hinderte mich daran, zu ihnen zu gehen und so womöglich aufzuhören, sie zu begehren. Wer in sich den Wunsch aufrechterhalten will, weiterzuleben, und den Glauben an köstlichere Dinge als die gewohnten, muß spazierengehen; denn die Straßen und Avenuen sind voll mit Göttinnen. Doch die Göttinnen lassen uns nicht in ihre Nähe kommen. Hier und da wachte zwischen den Bäumen, am Eingang irgendeines Cafés, eine Kellnerin wie eine Nymphe am Saum eines heiligen Hains, während im Hintergrund drei junge Mädchen an der Seite des riesigen Bogens ihrer Fahrräder, die sie neben sich abgestellt hatten, saßen wie drei Unsterbliche, die sich an die Wolke oder das sagenhafte Reittier lehnten, auf denen sie ihre mythologische Reise machten." (Die Seitenzahl ist die der 1-bdg. Tadié-Ausgabe Gallimard Quarto.)
    Sonst könnte ich Ihnen höchstens noch die kurze Begegnung mit Gilberte und Freundinnen im Bois auf ca. S. 100 von Bd. 6 andienen. Ich habe die "Suche" auf FP, aber die Suchwörter "Muse(n)" und "Bildhauer" bringen nichts.

    vor 2 Jahre veröffentlicht #
  5. Sie sind ganz fabelhaft Herr Fischer! Das ist genau die Stelle, die ich verzweifelt suchte. Haben Sie tausend Dank. Sehr gerne würde ich Ihnen in den nächsten Monaten einen Katalog zukommen lassen. Wohin soll ich ihn senden?

    vor 2 Jahre veröffentlicht #
  6. bj-fischer
    Mitglied

    Na prima! Und das mit dem Katalog ist doch eine nette Idee - ich freue mich schon drauf und wünsche Ihnen viel Erfolg mit der Ausstellung! Gruß,
    Bernd-Jürgen Fischer
    Knesebeckstr. 20, 10623 Berlin.

    vor 2 Jahre veröffentlicht #

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